Endlich 18 !!!

Viele meiner Freunde hatten ihn schon, also wurde es auch für mich Zeit, ab in die Fahrschule und den Führerschein machen.

Nachdem ich die ersten zwei Male durchgefallen bin, habe ich ihn dann endlich, im dritten Anlauf und 2000 DM ärmer, in der Hand halten dürfen.

Von Sepp, einem Freund, habe ich superbillig einen alten, orange-blauen Opel Kadett gekauft, und stand von da an mit meinem ganzen Stolz mindestens einmal die Woche auf dem Parkplatz auf dem sich unsere Clique immer traf.

Wir haben viel zusammen unternommen, sind sogar mit der ganzen Truppe nach Holland zum Zelten gefahren und hatten eine Menge Spaß.

Ich gehörte dazu, das erste Mal :-)

 

Allerdings war nicht alles toll, während fast jeder eine Freundin hatte, war ich immer noch solo, war schüchtern, verklemmt, egal was ich anstellte, kein Mädchen interessierte sich für mich.

Silke, die einzige mit der ich zwischendurch was unternahm sagte einmal: "Du bist viel zu lieb, die Mädchen mögen lieber Machos"

Vielleicht lag es an meinem zweiten Ich..

 

Die Intervalle in denen ich mich umzog wurden kürzer.

Nachts wenn alles schlief oder tagsüber heimlich im Keller, sehr oft wenn sich die Gelegenheit ergab, zog ich mich um und fühlte mich gut.

Mittlerweile habe ich mir einige Kleidung zugelegt, entweder von meiner Mutter "ausgeborgt" oder, da ich nicht genug Mumm hatte um an der Kasse zu zahlen, irgendwo geklaut, z.B. aus einem Sexshop mein erstes eigenes paar Schuhe, ein paar schwarze High Heels mit viel zu hohen Absätzen (Genau dieses Paar ist abfotografiert und bearbeitet übrigens oben im Logo zu sehen ;-) ).

Geprägt war mein damaliges Frauenbild weniger von der Realität als vielmehr von den Medien oder den hübschen Damen welche damals an der Pagenstecher Strasse in Osnabrück standen.

Ich würde auch lügen wenn ich behaupten würde, dass es mich nicht erregt hat mich so zu sehen, ich war mir selbst das Wunschbild der Frau, die ich nie hatte.

Irgendwann habe ich mich in mein Auto gesetzt, bin ca 50km entfernt in einen einsamen Feldweg gefahren, habe mich das erste Mal außerhalb unseres Hauses umgezogen und geschminkt, und drehte ein paar Runden, natürlich total overdressed.

Wie ihr Euch denken könnt, blieb es nicht bei diesem einen Mal.

 

Innerlich zerrissen, in dem Bewusstsein anders zu sein, wünschte ich mir oft ich wäre "normal", wünschte mir endlich mit jemandem reden zu können.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht wie schnell, wenn auch unfreiwillig, dieser Zeitpunkt kommen würde...

 

Eines Tages, kam ich von der Arbeit nach Hause und sah meine Sporttasche auf dem Esszimmertisch stehen,

genau die Tasche, die ich mehrere Jahre immer wieder sorgfältig in meinem Bettkasten versteckt habe.

Meine Mutter hat mein größtes Geheimnis entdeckt, ein Geheimnis das niemand, wirklich niemand entdecken sollte.

 

Zu meiner Überraschung wirkte Sie sehr ruhig, es gab keine Standpauke.

Wir redeten sehr lange.

Sie teilte mir mit das sie schon früher etwas bemerkt hat, fragte wie Sie helfen könne, bot mir an zu einem Psychologen zu fahren der auf dieses Gebiet spezialisiert war.

Einzig das Sie ihre besten Sachen in meiner Tasche fand warf Sie mir vor, zeitweise heute noch.

Ich hätte im Leben nicht mit so viel Verständnis gerechnet, und was mache ich dumme Kuh ?

 

Unter Tränen verspreche ich sofort damit aufzuhören, das kommt nicht mehr vor sagte ich Ihr.

Die Angst vor den Konsequenzen war größer als die Freude an einer Chance endlich Ich sein zu dürfen.

Was würden meine Freunde sagen, wie sollte ich jemals eine Freundin finden, ich wollte nicht erneut gemobbt werden.

 

Zum Beweis meines guten Willens sind wir mit der Tasche im Kofferraum zum Kanal gefahren, wo ich vor ihren Augen einen Teil meines Lebens von einer Brücke ins Wasser warf.

Damals hätte ich mich Ohrfeigen können, was mache ich eigentlich dachte ich, die Gefühle in diesem Moment kann ich nicht wiedergeben.

All meine tollen Sachen waren Futsch und auch bei späterem Suchen meinerseits nicht mehr zu finden *heul*, daraufhin schaffte ich es längere Zeit mein Versprechen zu halten.

Zuhause war das Thema abgeschlossen, auch wenn Sie sich noch so viel Gedanken machen musste, gab es keine weiteren Fragen.

 

Rückblickend war es die richtige Entscheidung, denn gut zwei Jahre später passierte das Wunder, das wichtigste Ereignis meines Lebens.

 

Erst einmal war es noch nicht so weit.

Im März 1989 schloss ich nach 2,5 Jahren meine Lehre zum Kfz.-Mechaniker ab.

 

 

Im nächsten Teil werdet ihr Zeuge wie Wunder geschehn ...