Nicht mehr allein


Claudia staunte nicht schlecht, als ich genau 7 Tage nach unserem ersten Date vollgepackt vor der Tür stand, und fragte ob ich bei Ihr einziehen dürfe, da meine Mutter mich rausgeschmissen hat.

Ihr Gesicht war göttlich, eine Mischung aus Unglauben, Entsetzen und Freude.

Natürlich fragte Sie "Bist du nicht der Meinung das es etwas zu schnell geht ?", hatte aber schließlich nichts dagegen da wir sowieso schon jede Nacht zusammen waren.

Zudem war uns Beiden klar, dass mich meine Mutter im Ernstfall niemals auf der Straße hätte stehen lassen wenn es schief geht.

 

Was soll ich sagen ?

Es ging nicht schief, ganz im Gegenteil !!! Wir verstanden uns auf Anhieb blendend, wie sich herausstellte, hatten wir sogar die gleichen Hobbys.

Anfangs störte das kleine Appartement fast gar nicht, wir waren sowieso viel unterwegs, arbeiteten, oder machten das, was Paare so tun wenn sie frisch verliebt sind.

Wir waren super glücklich und spürten beide, dass wir zusammen gehören.

Am 06.06.1990 fuhren mein Schatz und ich nach Holland um ihre Cousine zu besuchen und feierten dort um 18:06 Uhr unsere Verlobung !!

 

Arbeitstechnisch bekam ich einige Zeit später endlich die Chance als Kraftfahrer im Nahverkehr anzufangen, da ein Subunternehmer der Spedition dringend Mitarbeiter suchte.

 

Im September zog meine Mutti mit meinem Bruder in einen anderen Ort und fragte, ob wir ihre Wohnung inklusive der Möbel  übernehmen möchten.

Wir willigten dankend ein, da unsere damalige Behausung auf Dauer für Claudia, Terry ( ihr kleiner Mischling ) und mich, zu klein wurde.

Frisch verliebt hatten wir lange Zeit nur Augen für uns, Freunde wurden dadurch, vielleicht verständlich, etwas vernachlässigt.

Claudias 18er Geburtstag im Oktober war die Gelegenheit dies zu ändern...

 

Wir luden unsere Freunde ein, natürlich auch die komplette Atteraner Clique und feierten eine riesen Party, ich war stolz meine Freundin vorstellen zu können, meine erste große Liebe.

Es wurde viel getrunken, zu viel !!

 

Zu fortgeschrittener Stunde bemerkten wir, wie ein paar Gäste unseren Hund abfüllten und beendeten die Party.

Das ganze Ausmaß des Abends bemerkten wir erst am folgenden Tag.

Beschmierte Brötchenhälften an der Scheibe und abgerolltes Toilettenpapier auf dem Rasen vor unseren Hochhaus war nur ein Teil davon.

Terry ging es so schlecht das wir zum Tierarzt mussten.

 

Am nächsten Tag bin ich zum, noch immer stattfindenden, Treffen der Clique gegangen und habe gesagt:

"Ich möchte nicht genau wissen wer es war, ich möchte nur eine Entschuldigung hören"

Das Schweigen im Walde, es kam nichts, gar nichts.

"Das war´s dann" waren meine Worte.

 

Damals dachte ich das Claudia von der Truppe nicht akzeptiert wurde.

Heute weiß ich das zu viel Alkohol einen verrückte Sachen machen lässt, die man sonst nie tun würde.

Es war für lange Zeit das letzte Treffen mit meinen Freunden, einzig Rene traf ich noch zwischendurch an der Tankstelle, an der auch Claudia arbeitete.

Er ist übrigens noch heute, nach über 30 Jahren einer meiner besten Freunde.

 

Da mein kleiner Engel und ich beide Autonarren waren trafen wir uns von da ab an der Aral Tankstelle am Berliner Platz in Osnabrück mit anderen "halbstarken" Autonarren um zu posen, reden oder das ein oder andere Beschleunigungsrennen zu fahren.

Die wilden 80-90er, es war schon eine geile Zeit damals :-)

Allmählich wurden es mehr und mehr Autos, so viele, dass irgendwann der Platz nicht mehr reichte und wir unser Treiben an die Pagenstecherstraße, einer große Ausfallstraße, verlegten...

Die Treffen sprachen sich überregional herum, es wurde aufgrund der Freitagstreffen der Begriff "Carfreitag" geprägt.

 

Was war eigentlich mit meinem zweiten Ich, war es verschwunden ?

Eine Frau mit Bart ? - geht ja gar nicht, wieso hatte ich einen Schnäuzer ??

Liebe, Glück, Spaß, kein Platz für anderes in meinem Kopf.

 

Am 27.03.1991 haben wir aus Liebe standesamtlich geheiratet !

Aus Liebe, und nicht wegen dem neuen Leben, welches langsam in ihrem Bauch heranwuchs.

Es kamen nur die Familie und die engsten Freunde, es war einer der schönsten Tage in meinem Leben.

Rene fuhr uns mit seinem offenen VW Kübel diesen Tag durch die Gegend und hat, für uns unvergessliche Fotos geschossen.

Zum Glück ist auf den Fotos nicht zu erkennen wie kalt und windig es war, auf einem Video hätte man bestimmt sehen können, wie die Zähne geklappert haben.

 

Der Bauch meiner Süßen wurde runder und runder, kurz vor der Geburt sah es aus als ob sie einen Medizinball verschluckt hat.

Oft habe ich nach dem erwachenden Leben gefühlt oder versucht den leisen Herzschlag zu hören.

Da es nachher aussah als ob sie platzen würde, sind wir schließlich ins Krankenhaus gefahren um die Geburt einleiten zu lassen.

Ich blieb bei Ihr solange es die Besuchszeiten zuließen.

Mitten in der Nacht rief das Krankenhaus an um mir mitzuteilen das die Fruchtblase geplatzt ist.

Nervöser als ein Kind vor Weihnachten befand ich mich, um 8 Uhr, pünktlich zu Beginn der Besuchszeit, im Krankenhaus.

Claudia befand sich seit mehr als 5 Stunden in den Wehen und sah sehr kaputt aus.

Nach 5 weiteren Stunden gaben es die Ärzte auf die Geburt auf normalem Weg geschehen zu lassen und schickten mich aus dem Kreißsaal.

Am 09.07.1991 wurde unser Sohn gesund per Kaiserschnitt an das Licht der Welt geholt.

Wir waren Mama und Papa

 

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