Wunder geschehn


Nach meiner Lehre wurde ich leider nicht übernommen und auch kein anderes Autohaus suchte zu dieser Zeit Mitarbeiter.

Da ich für mein Leben gerne Auto fuhr, bewarb ich mich bei Koch International, einer großen Spedition direkt um die Ecke als Kraftfahrer.

Der Personalchef konnte mir nur eine Stelle auf dem Lager anbieten mit der Option später auf einen LKW zu wechseln.

Besser dieser als kein Job dachte ich nur und nahm dankend an.

 

Mein erstes Auto aufgrund extremster Rostprobleme im Zustand des rieselnden Zerfalls war am Ende seiner Lebenszeit angekommen, so wurde es Zeit für ein neues Fortbewegungsmittel.

Von meinem zweiten richtigen Lohn kaufte ich mir einen Opel Manta CC (Combicoupé) mit zu damaliger Zeit reichlichen 110 PS.

Das war schon was anderes als der Kadett.

Dumm war nur diese große Eiche, die an einem nassen Herbsttag im Weg stand.

So kam es, dass ich mit gerade mal 19 Jahren schon eine Gesichts-OP hinter mich brachte.

3 Metallplatten wurden mir aufgrund der schweren Jochbeinfraktur rund um mein rechtes Auge eingesetzt, zudem zog ich mir noch weitere Brüche, Prellungen und Platzwunden zu.

Die Ärzte im Stadtkrankenhaus leisteten ganze Arbeit, außer dem Verlust meines räumlichen Sehens trug ich keine bleibenden Schäden davon.

Fast schon ein Wunder wenn man sich die beiden Bilder betrachtet.

 

Der Unfall, welcher bis heute mein einziger selbstverschuldeter ist, passierte in einer 30er Zone.

Eine gute Freundin (links auf dem rechten Foto) schrieb mir erst kürzlich:

 

"Wir haben uns an der Sparkasse unterhalten und Thorsten und ich sind 2 Minuten später los wie Du und da war alles schon geschehen. Ich war total unter Schock Du wolltest unbedingt aus dem Auto raus., aber es ging keine Tür mehr auf. Bin dann durch die Heckklappe zu dir gekrabbelt und hab gewartet, bis Krankenwagen kam. Die Beifahrerseite war bis zur Mittelkonsole eingequetscht"

 

Außer mir selbst wurde glücklicherweise niemand verletzt und aufgrund fehlender Bremsspuren konnte mir die Geschwindigkeit nicht nachgewiesen werden, so blieb es seitens der Polizei ohne Konsequenzen.

Man sollte denken, ich hätte von diesem Vorfall gelernt und mich fortan an die Verkehrsregeln gehalten, dem war nicht so - dazu später mehr.

 

Vorläufig war Fahrrad fahren angesagt, bis ich mir nach ein paar Monaten ein neues Auto zulegen konnte, vielleicht könnt Ihr es Euch denken, wieder einen Opel Manta.

Falls jemand was mit dem Begriff "Carfreitag" anfangen kann (gerne mal in Verbindung mit Osnabrück nachgooglen), angefangen hat das alles in Osnabrück, und zwar damals an der Aral-Tankstelle am Berliner Platz.

Ich war ein Auto-Narr, und da sich dort immer einige Leute mit ihren aufgemotzten Karren trafen, war auch ich bald ein Teil dieser Truppe.

Jedes Wochenende war Spaß angesagt, sehen und gesehen werden sage ich nur...

 

Beruflich war ich immer noch bei Koch auf dem Lager tätig immer noch darauf wartend endlich LKW fahren zu dürfen.

Egal, die Arbeit und der Lohn waren halbwegs ok  und vor allem, die Kollegen waren nett.

Da die 3 Zapfsäulen auf dem Firmengelände nicht mehr reichten, wurde damals eine große Shell-Station errichtet.

Endlich war es möglich sich was zu knabbern oder die unglaublich leckeren Bockwürstchen zu holen.

Wenn es die Zeit zuließ, hielt ich mit dem Personal Smalltalk, bei einer lud ich mich zum Spaß, ohne es ernst zu meinen, sogar mal völlig belanglos zum Frühstück ein.

 

 

Am nächsten Tag passiert es...

Etwas womit ich nie gerechnet hätte...

Sie fragt warum ich nicht erschienen bin, sie hätte sich so viel Mühe gegeben...

Ich sagte ihr, es wäre nur ein Spaß gewesen, ich hätte ja nicht damit gerechnet, dass sie es ernst aufgefasst hätte.

Wir plauderten eine Runde und verabredeten uns erneut zum Frühstück...

Ratet mal...

Ich war wieder nicht da, kann mich aber nicht mehr erinnern weshalb es von meiner Seite nicht geklappt hat.

Beim dritten Anlauf stand ich morgens vor ihrer Haustür und fand nur einen Zettel an der Tür:

"Es tut mir leid, muss leider außerplanmäßig arbeiten"

Ich fuhr zu ihr an die Tanke, wir redeten, haben gelacht, ich fand sie nett und sie mich auch.

Wir unterhielten uns über Hobbys, Interessen, Arbeit und Autos, und...

wir verabredeten uns für die Disco !!!

 

Zur vereinbarten Zeit trafen wir uns vor ihrem Haus und wer stand neben ihr ?

Helga, ihre Mutter.

"Ich wurde schon mal sitzen gelassen" sagte sie, ob ich was dagegen habe wenn sie zur Sicherheit mitkommt, damit sie notfalls nach Hause kommt.

 

*grmpf*

Das fing ja gut an..

Die anfänglichen Bedenken stellten sich als völlig unbegründet heraus.

Kaum im Subway angekommen baggerte ihre Mutter, der 1,40m "Kampfzwerg" sofort einen ca 2m großen Afrikaner an und war den Rest des Aufenthaltes nicht mehr zu sehen.

Claudia, nur 10cm größer, etwas pummelig und O-Beine war vom Aussehen nicht wirklich meine Traumfrau, doch ihr Wesen und ihre Ausstrahlung zogen mich magisch an.

Sonst immer nur mit Shell Kittel, trug sie heute einen kurzes Faltenrock, Ballerinas und Ringelsöckchen, entsprach zwar nicht dem Modetrend, sah aber unglaublich süß an ihr aus.

Wir tanzten, lernten uns näher kennen und hatten jede Menge Spaß.

Da Sie noch keine 18 war trafen wir uns artig um Mitternacht vor der Disco.

 

Helga, ihr werdet es nicht glauben, mit dem Afrikaner im Schlepptau. 

Sie schien sich ebenfalls recht gut amüsiert zu haben und fragte ob wir nicht noch mitkommen wollten um bei ihr ein wenig auf den Abend anzustoßen.

Im Schneckentempo folgten wir dem Ford Taunus der "älteren" Dame und ihrer frischen Eroberung.

Es ging ab zur Party und die Party ging ab.

Bis 4 Uhr morgens floss reichlich Alkohol, und die Pärchen gingen auf Kuschelkurs.

Als wir müde wurden sagte Helga: " Ich glaube es wird Zeit, dass du meine Tochter ins Bett bringst, und das ich bloß keine Klagen höre."

Dieser Satz geht mir bis heute nicht aus den Hirnwindungen.

 

Ich nahm meine Süße an die Hand. brachte sie in ihre Wohnung 2 Etagen tiefer, legte sie ins Bett, zog ihr vorsichtig den Rock und Söckchen aus, deckte sie zu.

Ich saß auf dem Bettrand und beobachtete Sie, überlegend ob ich mich auf den Weg nach Hause mache oder mich aufs Sofa lege.

Gerne hätte ich mich zu ihr gelegt, doch dazu fehlte mir der Mut.

 

Nach bestimmt 30 Minuten, ich immer noch unschlüssig auf der Bettkante, zog sie mich zu sich.

Es war für uns Beide das erste Mal und wie wahrscheinlich wie für alle, einer der Momente, die man nie vergisst.

Morgens bin ich überglücklich nach Hause gefahren, endlich hatte ich meine erste Freundin.

 

Von dem Tag an, es war der 06.05.1990, war ich nur noch für kurze Momente zuhause, Claudia und ich verbrachten jede freie Minute zusammen. 

Es war unglaublich schön, endlich war ich "normal"

Wir hatten nur noch Augen für uns, es war eine Zeit, in der mein zweites Ich endlich die Klappe hielt.

Die Träume hatten ein neues Thema :-)

 

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich für mein Leben gerne Musik höre ?

Wie ich darauf komme ?

Der Quäkkasten meiner neu gewonnen Freundin bracht zwar Töne raus, hörte sich aber nicht besser an als heutige Smartphone Lautsprecher.

So kam ich eine Woche später auf die Idee meine Stereoanlage von Zuhause abzubauen.

Als meine Mutter sah, wie ich mit dem Gerät aus der Tür wollte, sagte sie nur:

"Wenn du das machst, kannst du gleich ausziehen"

 

"OK, dann zieh ich halt aus" antwortete ich ohne zu überlegen, geschweige denn mit Claudia vorher darüber zu reden.

 

 

Weiter geht es mit nicht mehr allein