Kindheit und Jugend

Irgendetwas ist anders

Ich habe keine Ahnung ob die früheste Kindheit etwas mit der Geschlechterrolle zu tun hat, persönlich meine ich aber, das ich seit dem Beginn meines bewussten Denkens immer ein Mädchen sein wollte.

 

Irgendwie erinnere ich mich noch an den Film „Das fliegende Klassenzimmer“ und wie ich mir damals, ich war ungefähr 6 Jahre alt, wünschte ich wäre der Junge, der das hübsche blonde Mädchen gespielt hat.

 

Ungefähr zu der Zeit lief auch der Titel „Wenn du denkst du denkst“ von Juliane Werding im Fernsehen. Die langen Haare und die langen Fingernägel, so wollte ich aussehen...

 

DEU Papenburg COA

Aber fangen wir von vorne an.

An meine Heimatstadt Papenburg habe ich leider so gut wie keine Erinnerung mehr, 

Meine Mutter hat mich nach der Geburt alleine großziehen müssen, da mein Erzeuger das Weite gesucht hat.

Wir haben damals bei meiner Adoptivoma gewohnt, welche Besitzerin eines großen Autohauses war.

 

Coat of arms of Berlin

 

Meine Mutter hat dann damals meinen Vater kennengelernt, ist zu ihm nach Berlin gezogen, hat geheiratet und ich wurde adoptiert.

2 Jahre nach mir kam mein Bruder zur Welt.

 

Die Zeit in der Hauptstadt war rückblickend gesehen sehr schön.

Wir haben in einer ruhigen Gegend in Tempelhof gewohnt, hatten ein riesen Kinderzimmer mit Tonnen von Spielzeug, der Kindergarten und ein großer Park waren nicht weit entfernt, und auch das erste Schuljahr war klasse.

Ich kann mich noch zu gut an meinen ersten Schulfreund erinnern, mit dem ich viel unternommen habe.

 

Ungefähr zu dieser Zeit habe ich mir das erste Mal gewünscht ein Mädchen zu sein.

 

Irgendwann hat Mama uns mitten in der Nacht aus dem Bett geholt und ist mit uns losgefahren.

Zu dieser Zeit ahnte ich noch nicht, das ich meinen Papa nur noch für kürzere Urlaube sehen würde.

Als kleines Kind ist das schwer zu verstehen. 

 

 

DEU Georgsmarienhütte COA official

 

Angekommen sind wir morgens in Georgsmarienhütte bei meiner richtigen Oma und haben dort vorübergehend bei Ihr und meinen 3 Onkeln in einem uralten Kotten mit Toilettenhäuschen vor dem Haus gewohnt.

Es waren zwar sehr ärmliche Verhältnisse, aber dieses Jahr Weihnachten war etwas besonderes, ich habe Patzi einen Teddy geschenkt bekommen, der von da an für lange Zeit mein bester Freund war.
Nach ein paar Monaten bezogen wir eine eigene Wohnung in einem Hochhaus mit überragender Aussicht auf die Schornsteine der Klöckner Werke.
Ich habe mir wirklich den Kopf zermartert ob ich damals Freunde hatte, mir fällt niemand mehr ein und glaube, dass mein Bruder der einzige war mit dem ich etwas unternommen habe.
Zwischendurch stellte ich mir immer wieder vor wie es wäre ein Mädchen zu sein, reden konnte ich aber nur mit Patzi ...

 

Osnabrück Wappen

Nachdem ich die Grundschule abgeschlossen hatte, zogen wir nach Osnabrück, wo meine Mutter dann zum dritten und letzten Mal geheiratet hat.

 

Wieder fing alles von vorne an, wieder musste ich eine neue Umgebung, Schule, Kinder kennenlernen.

Es hat nicht lange gedauert, da haben wir ein tolle Doppelhaushälfte von dem Erbe meiner mittlerweile verstorbenen Adoptivoma kaufen können.

Unten könnt ihr Sepp, das neue Familienmitglied sehen, er war uns lange ein treuer Begleiter und Freund.

Mit unserer Nachbarstochter haben wir uns auf Anhieb toll verstanden und fanden auch einige weitere Freunde mit denen ich teilweise immer noch auf Facebook befreundet bin.

In der Schule hatte ich nur einen der mit mir geredet hat, war eher ein Einzelgänger und wurde viel gehänselt.

 

Danach ging es weiter mit der Realschule, in der erneut alles von vorne anfing.

Aus meiner alten Schule niemand in meiner Klasse,  keiner da, den ich kannte.

Ich war schüchtern, sehr zurückhaltend und leichtes Angriffsziel für einige Halbstarke, Mobbing war an der Tagesordnung.

Wenn z.B. beim Sport Gruppen gebildet wurden, gehörte ich immer zu den letzten, die ins Team gewählt wurden und hatte bisher nicht eine einzige Freundin, die ich mir doch so sehr wünschte.

Klar, wer wollte damals so jemanden wie mich...

Brüderchen, das komplette Gegenteil, hatte in dieser Hinsicht nie Probleme, zeitweise ging er mit 2 Freundinnen auf einmal und war generell sehr beliebt.

 

Meine Mutter war in der Zwischenzeit wieder geschieden und darauf folgend mit uns umgezogen, da es früher so toll war, natürlich in ein gemütliches Hochhaus.

 

 

Zu jener Zeit habe ich damit angefangen mir heimlich Sachen meiner Mutter aus dem Schrank zu holen und mich umzuziehen wenn ich alleine war.

Hohe Schuhe und Kleider, die tolle, blonde Langhaarperücke, ich habe mich richtig wohl gefühlt, reden konnte ich darüber allerdings mit niemandem.

 

 

Nachdem ich die Realschule mit dem erweiterten Abschluss erfolgreich absolvierte, begann1986 meine Lehre zum Kfz.-Mechaniker bei einem großen Opel Autohaus in Osnabrück.

Dank netter Kollegen und meiner Autobegeisterung machte die Arbeit unglaublich Spaß.

Zuhause weitete sich mein Freundeskreis allmählich aus und endlich war auch ich mal Mitglied einer Clique.

 

Tja, das war dann auch das Ende dieses Lebensabschnitts.

 

Abschließend möchte ich hier noch meine Mutter erwähnen, die bestimmt kein leichtes Leben hatte, Sie hat viele Höhen und Tiefen durchgemacht, uns aber mit all ihrer Liebe erzogen, Sie stand immer hinter uns, hat sich in jeder Lebenslage für uns eingesetzt und uns jeden, ihr möglichen Wunsch erfüllt. 

Sie hat hart gearbeitet in ihrem Leben, selbst zurückgesteckt damit es uns gut geht.

Außer an einem richtigen Vater hat es an nichts gemangelt, vom tollem Kinderzimmer, viel Spielzeug wie z.B. Lego, über BMX-Rad, Telespiel bis hin zum Computer.

Schade, dass Sie immer an die falschen geraten ist und ihre große Jugendliebe nie zu einer richtigen Partnerschaft gereicht hat.

 

Wenn Du das hier lesen solltest:

Mama, ich habe Dich lieb !!!

 

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Endlich 18 !!!