Lebe deinen Traum

DE Lotte COA

 

Wenn ihr euch fragt was mit meiner weiblichen Seite die ganze Zeit los war...

 

Claudia hat nach dem damaligen Abbruch meiner psychologischen Behandlung bemerkt wie sehr ich sie liebe.

Sie, die für mich ebenfalls durchs Feuer gehen würde, merkte aber natürlich auch, welch großes Opfer ich für sie gebracht habe.

 

Mein kleiner Engel.

Keine Ahnung wie ich reagiert hätte, wenn sie mir gesagt hätte, dass sie lieber ein Mann wäre.

 

Bereits in Fürstenau wurde es für mich gegen Ende immer schwieriger, mein zweites ich zu unterdrücken, die Intervalle in denen ich mich umzog wurden wieder kürzer.

Wenn ich zu lange versuchte dagegen anzukämpfen wurde ich launisch, sogar aggressiv, fing ohne Grund an zu streiten.

An unserem neuen Wohnort änderte sich daran natürlich nichts.

 

An dieser Stelle möchte ich allen, die Probleme in sich reinfressen und merken, wie sie mehr und mehr daran zugrunde gehen, einen Tipp geben:

Wenn ihr die Möglichkeit habt redet ! 

Es gibt fast immer einen Menschen der euch zuhört !

 

Bei mir war es mein Schatz, das Wertvollste was ich in meinem Leben je besessen habe, die mir immer über meine größten Probleme hinweg geholfen hat.

Wir redeten sehr viel, und sie zeigte unermessliches Verständnis.

Sie merkte wie es um mich stand und machte schließlich den Vorschlag, dass ich einfach mal raus und unter die Leute müsse.

Facebook war im Jahr 2005 noch unbekannt und so suchten wir im Internet nach Locations, in der Menschen wie ich akzeptiert werden. 

Ja, ihr denkt genau richtig, ich hatte bis dahin immer noch nicht den Mumm am helllichten Tag nach draußen zu gehen, allerdings auch aus Rücksicht auf unseren damals 14 jährigen Sohn.

In so kleinen Örtchen, in denen wir immer wohnten, traute sich ja nicht mal jemand zuzugeben das er gleichgeschlechtlich veranlagt ist.

 

Im "Transtreff", ein Forum für Transsexuelle lasen wir von einem anstehenden Treffen des Moderatorenteams.

Ich schrieb eine Mail und fragte, obwohl erst neu im Forum, einfach an ob wir teilnehmen dürfen.

Zu unserer Überraschung wurden wir herzlich eingeladen.

Glücklicherweise befand sich unser Parkplatz auf dem Grundstück unseres Hauses und es war schon dunkel, so gelang es mir ohne erkannt zu werden in mein Auto zu steigen. Wenn ich mir die alten Fotos mit Perücke anschaue, bin ich wirklich heilfroh das mich in dieser Aufmachung niemand gesehen hat.

Am späten Nachmittag kamen wir an der Location an und wurde von der versammelten "Frauschaft" herzlich empfangen.

 

Es war ein klasse Abend, wir unterhielten uns über Gott und die Welt, tranken, hatten jede Menge Spaß, und als die gemütliche Runde vorbei war, hatte der "Transtreff" eine weitere Moderatorin.

Kurz darauf trafen wir uns bei Sammy zu einem Fotoshooting.

Es hat echt jede Menge Spaß gemacht mal Modell zu stehen.

 

Beim nächsten anstehenden Moderatorentreffen bin ich zum ersten Mal alleine gefahren, und das erste Mal überhaupt ohne Perücke.

Meine Haare waren, wie unschwer auf den Fotos zu erkennen noch sehr kurz, dementsprechend unsicher war ich auch, als ich mich tagsüber auf den Weg machte.

Dort angekommen gab es von allen Seiten Lob. "Ich würde sehr natürlich aussehen" bekam ich zu hören.

Naja, jeder hatte damals im echten Leben seinen Mann zu stehen, bis auf eine hatten alle Angst erkannt zu werden und fürchteten um Auswirkungen auf ihre Familie oder Jobs.

Keine andere traute sich zu diesem Zeitpunkt ohne Perücke aus dem Haus.

 

Die ungezwungene Stimmung in der Gruppe gab mir viel Selbstbewusstsein, ich fing an mich in meiner eigenen Haut richtig wohl zu fühlen.

Besonders Sammy half mir meine Unsicherheit zu überwinden, sie wurde immer mehr zu meiner besten Freundin.

Sammy ist übrigens 100% Mann, will es auch bleiben, glücklich mit einer super tollen Frau verheiratet und liebt es einfach zwischendurch als Frau die Sau rauszulassen.

Selbstzweifel, Verklemmtheit, Für Sie (Ihn) absolute Fremdworte.

 

Zu gerne erinnere ich mich an die Situation als Sammy auf ihrer Geburtstagsfeier in einer Kneipe von einem Typen angeblubbert wurde: "Hey, du bist ja nen Kerl"

Ihre Antwort: "Na und, du doch auch !!"

Sammy ist von ihrem Wesen mein absolutes Vorbild.

 

Im Juni stand die CSD in Köln an, DIE Party für Schwule, Lesben, Trannys und alle Sympathisanten.

Das Treiben dort war der absolute Hammer, ich habe noch nie zuvor so einen abgedrehten, ausgelassenen Pulk an Menschen gesehen. Je ausgefallener das Outfit, desto besser war das Motto.

Es war zwar ein tolles Wochenende, trotzdem war es für mich merkwürdig, ich fühlte mich etwas fehl am Platz.

War ich doch zu "normal" ?

 

Mehr und mehr wünschte ich mir, eine ganz normale Frau zu sein...

 

werdet Zeuge wie die Party beginnt