Der letzte Schritt

 

 

 

 

 

 

Mein letztes existierendes Bild im noch männlichen Körper

ca 1,5 Jahre nach dem Anfang meiner Hormonbehandlung bekam ich, nachdem ich bei der Krankenkasse alle erforderlichen Gutachten abgegeben hatte, endlich die Zusage zur Kostenübernahme meiner geschlechtsangleichenden OP.

Natürlich habe ich mich vorab in diversen Foren informiert in welcher Klinik ich die Operation durchführen lassen möchte und habe mich für die städtischen Kliniken Osnabrück entschieden.
Kurzentschlossen rief ich dort an und verabredete einen Termin zum Informationsgespräch.
Gegen Zahlung von 100€ (für mich ehrlich gesagt eine Frechheit) wurde ich über den Ablauf der Operation und die Risiken wie z.B. Inkontinenz, Verlust der Gefühlsempfindung und weiteres informiert.

Wie ihr euch denken könnt, waren mir die Risiken absolut egal und ich habe sofort meinen Willen zur Durchführung bekundet.
Aufgrund hervorragender Kritiken war die Warteliste mit über 1 Jahr, trotz mehrerer Operationen pro Woche, sehr lang.
Da ich nur einen Katzensprung vom Krankenhaus entfernt wohnte, wurde mir während des Gesprächs aber ebenfalls gesagt, dass es eventuell schneller gehen könne, wenn eine der sich auf der Liste befindenden Leute absagen würde.

Genau das passierte keine 3 Monate nach dem Infogespräch !!!
Ich bekam einen Anruf vom Krankenhaus und mir wurde ein Termin für 4 Wochen später angeboten...
Völlig überrumpelt nahm ich Ihn an, ohne groß darüber nachzudenken...

Meinem kleinen Engel teilte ich die Neuigkeiten natürlich direkt mit.

 

Was meint ihr wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe ?

 

Ich hatte Angst, höllische Torschusspanik !!!

Mein größter Traum sollte endlich in Erfüllung gehen und ich war ernsthaft am überlegen ob ich es wirklich machen lasse !

Wieder hatten wir ein sehr langes Gespräch, mein Schatz sprach mir Mut zu und meinte dass ich es machen müsse, es gäbe kein zurück mehr.
Sie versprach mir es mit mir als Partnerin zu versuchen, natürlich ohne Garantie es auf Dauer durchhalten zu können.
Meine beste Freundin würde sie auf jeden Fall immer bleiben.

Wie bisher immer, seitdem ich sie kenne, hielt Sie zu mir.

 

Auf der Arbeit war mein Chef von dieser Neuigkeit überhaupt nicht begeistert.

Sein Verhalten mir gegenüber wurde extrem diskriminierend.

Einen Tag bevor ich ins Krankenhaus durfte, rief er mich in sein Büro...

 

"Hast du dich eigentlich schon arbeitslos gemeldet ?"

"Es muss dir bewusst sein, dass du weniger verdienst wenn du wieder kommst. Als Frau bist du ja nicht mehr so belastbar !!"

"Ich kriege dich raus, egal wie teuer das für mich wird !!!"

Das Mobbing hatte begonnen, ich war fix und fertig und begann meinen letzten Arbeitstag vor der Operation unter Tränen.

 

Meine Gedanken spielten Achterbahn, so sehr ich mein neues Leben auch herbeisehnte, so viel Angst hatte ich auch vor der Zukunft.

Ich kann euch echt nicht beschreiben wie es in mir aussah, wahrscheinlich kann das nur jemand nachvollziehen, der eine ähnliche Situation erlebt hat.

 

Keine Ahnung ob ich am nächsten Tag wirklich in die Klinik gefahren wäre, wenn ich meinen Engel nicht an meiner Seite gehabt hätte.

Dort angekommen, überkam mich ein weiteres komisches Gefühl, ich war schon etliche Jahre nicht mehr im Krankenhaus.

Komischerweise hatte ich vor der Operation an sich überhaupt keine Angst, dafür machten sich Zukunftssorgen in mir breit.

 

Meine Süße blieb bei mir, solange es die Besuchszeiten zuließen und versuchte mich aufzubauen.

Ich wusste das Sie genauso viel Ängste in sich trug, auch wenn Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen.

 

Die letzte Nacht.

Keinerlei Erinnerung.

 

Früh am morgen bekam ich meine scheissegal Pille .

Ein letztes aufmunterndes Telefonat mit meinem Engel und dann ging es Richtung OP.

Es wurde dunkel...

 

als ich wieder aufwachte hatte ich es geschafft,

endlich Frau !!!