Die Party beginnt

Tja, warum poste ich dieses Foto ?

Ich finde es passt ziemlich gut in die Zeit, die ich jetzt beschreiben werde, und das in doppelter Hinsicht ;-)


Schon lange wollte ich einen eigenen Partykeller haben, und da wir uns mit unseren einzigen Nachbarn super verstanden, sprach nichts dagegen, dass ich den, eigentlich als Gemeinschaftskeller gedachten Raum für diesen Zweck umbaute.

Sylvester 2006 ließen wir es dort mit unseren besten Freunden und unseren Nachbarn krachen.

Die Party war mehr als gelungen, wir tanzten, sangen Karaoke und Alkohol war natürlich auch viel zu viel im Spiel.
Ich wusste damals noch nicht, dass auf dieser Party das letzte von mir als Mann existierende Foto geschossen werden würde...

2007 änderte sich dann einiges

 

Meine Frau wusste ganz genau wie es in mir aussah.

Ohne das ich damit gerechnet hatte, sagte sie eines Tages:

"Du musst das machen Schatz !"

 

Aus Angst meinen Engel zu verlieren, habe ich das Wort Operation jahrelang nicht mehr in den Mund genommen, trotzdem war es nach wie vor mein größter Wunsch, endlich leben zu dürfen.

Ok, mein größter Wunsch war, gemeinsam mit meinem Engel alt zu werden, denn nichts anderes ist diese Frau auch heute noch für mich.

Sie hatte erkannt, dass ich nur ihr zuliebe meine Existenz als Mann lebte und wie ausgewechselt war, wenn ich mich nicht verstellen musste.

Wir planten unsere weitere gemeinsame Zukunft.

Wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, waren wieder stundenlange Gespräche an der Tagesordnung.

Zwar konnte sie mir nicht versprechen auch nach meiner Operation weiterhin verheiratet zu bleiben, würde mir aber auf jeden Fall immer meine beste Freundin bleiben.

 

Um nicht Gefahr zu laufen wieder an einen unfähigen Psychopathen zu geraten, recherchierte ich diesmal selbst im Internet nach einem geeigneten Psychiater und wurde dort im nur 50km entfernten Münster bei Dr. Szukaj fündig.

Ich war mehr als begeistert von meinen Besuchen bei ihm, es war etwas ganz anderes als bei meinem ersten Anlauf vor einigen Jahren.

Dieser Arzt war wirklich spezialisiert und konnte sogar meiner Süßen die Sorgen vor der Zukunft nehmen.

 

- für alle Interessierten hier mal ein Online Interview mit ihm:

 

Mittlerweile hatte ich mein Outing auch öffentlich hinter mich gebracht.

Die meisten Leute dachten sich aufgrund meiner Frisur sowieso schon ihren Teil, so lief das ganze leichter und besser als gedacht.

Auf meiner Arbeit wurde es unterschiedlich aufgenommen, einige hielten 100% zu mir, andere konnten so etwas gar nicht verstehen. 

Leider gehörte mein damaliger Chef, ein Subunternehmer der Spedition, zu der letzteren, intoleranten Sorte.

Egal, ihn sah ich sowieso nur 5 Minuten am Tag, wenn ich mir morgens meine Rollkarte aus dem Büro holte.

Die Geschäftsführung der Spedition verhielt sich überraschend positiv und hatte keinerlei Probleme mit meiner anstehenden Veränderung, einzige Bedingung war die Einhaltung der Kleidungsvorschriften.

 

Zwischendurch mal kurz ein paar Fotos von einem Shooting bei Petra, einer guten damaligen Freundin aus dem "Transtreff"

 

Nach einigen Monaten regelmäßiger Sitzungen beim Doktor und positiver Diagnose auf Transsexualität durfte ich endlich mit meiner Hormonbehandlung anfangen :-)

Es gestaltete sich nicht einfach einen Arzt zu finden, der mir das erforderliche Rezept ausstellen durfte oder wollte.

Als ich den zuständigen Endokrinologen endlich gefunden hatte, wurde erstmal ein großes Blutbild gemacht.

Nach erfolgter Auswertung wurde ich auf 4mg Östradiol eingestellt und durfte endlich in der Apotheke den Stoff meiner Träume abholen.

Zusätzlich zum Östrogen bekam ich damals noch Androcur verschrieben, ein Medikament, welches die männlichen Hormone blockt, eine Art chemische Kastration.

 

Dr. Szukaj erzählte mir damals das ich durch die Einnahme psychische Veränderungen wie z.B. mehr Sensibilität erfahren würde.

Persönlich glaube ich nicht, mich in meinem Wesen verändert zu haben, vielleicht liegt es daran, dass ich innerlich schon immer eine Frau war.

An meinem Körper bemerkte ich hingegen schon Veränderungen, ich hatte den Eindruck deutlich empfindsamer auf Berührungen zu reagieren, besonders im Brustbereich wurde ich sensibler.

 

Mein 37. Geburtstag war eine der tollsten Partys in meinem Leben, ich feierte den Start in ein neues Leben, und die meisten meiner besten Freunde waren dabei, sogar Sammy kam aus dem 100km entfernten Essen.

Endlich nicht mehr verstecken, endlich leben, endlich durfte ich die sein, die ich schon immer war.

Fortsetzung folgt

letzte Aktualisierung am 25.11.2018