Tina wird flügge

Erstmal noch nicht, ich fand aber die Überschrift für den größeren Lebensabschnitt gut.

Auf dieser Seite geht es um unsere Band und mein erster Auftritt vor Claudia ;-)


Nach etlichen Jahren im Hochhaus hatten wir es endlich geschafft in eine schönere Behausung umzuziehen.

Die Häuser waren so neu, dass noch nicht einmal eine richtige Strasse vorhanden war, die Wohnungen waren Erstbezug.

Wir richteten unsere vier Wände dem damaligen Trend entsprechend ein, schwarze Möbel waren der letzte Schrei.

 

Unser Sohn war oft auf dem Spielplatz in der Nähe und fand dort ruckzuck neue Freunde, rein zufällig die Kinder unserer Nachbarn, die wir dadurch natürlich auch näher kennenlernten.

Beim gemeinsamen Kaffee erfuhren wir das A.... (nennen wir ihn Andy) Keyboarder, und Franco, ebenfalls anwesend, ein begnadeter Sänger und Gitarrist waren. Wir verstanden uns auf Anhieb gut.

Von da an war ich fast immer bei den Proben im Kellerstudio anwesend und bediente, während die beiden musizierten, die Regler des Mischpultes und der Effektgeräte.

Beide waren von meinem Gehör begeistert, so sehr, dass ich bald ein Bestandteil der Band wurde.

 

Elke, die Chefin unserer Agentur vermittelte Veranstaltungen und wurde uns eine gute Freundin (sogar heute noch).

Alle glaubten daran, dass wir es weit bringen können.

Wir hatten einige, sogar überregionale Events und sorgten immer für gute Stimmung.

Als Tontechniker verdiente ich in den 90ern bis zu 400.-DM am Abend, das war verdammt gutes Geld.

Eines der schönsten Erlebnisse mit unserer Band war eine Open-Air-Party bei guten Freunden, auf der mein LKW als Bühne herhalten musste.

In der neuen Wohnung fand ich dann endlich auch den Mut mich vor Claudia zu zeigen.

Sie wusste es ja sowieso schon und es hatte bis dahin schon viel zu lange gedauert, ich hatte keine Lust mehr auf Heimlichkeiten.

Ich sprach sie einfach darauf an, und nachdem sie nichts dagegen hatte, eher neugierig war, sagte sie ja.

Im Schlafzimmer zog ich mich um, schminkte mich, machte meine Haare zurecht.

Ich brauchte viel Zeit, es war wieder einmal einer der Momente in dem mir viel zu viele Gedanken durch den Kopf schossen.

Was passiert wenn sie mich auslacht oder, noch schlimmer, daraufhin doch verlässt.

Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und stöckelte komplett overdressed ins Wohnzimmer.

 

"Wow !!!"

 

Das war erstmal das einzige was sie mir entgegenbrachte.

Sie guckte nicht abwertend, ganz im Gegenteil, sie sagte: " Du siehst richtig gut aus !!"

Mir viel ein Stein vom Herzen.

Mein Engel zeigte mir erneut wie sehr sie mich liebte.

Es wurde ein langer Abend, gut gelaunt redeten wir bis in den frühen morgen.

Es war eine Befreiung, ich denke unmöglich nachvollziehbar für jemanden, der sich nicht in einer ähnlichen Situation befand.

Von da an zog Claudia sich nicht mehr zurück wenn ich mich zwischendurch zurecht machte.

Monate später weihten wir unsere besten Freunde ein und auch die kamen überraschenderweise recht gut damit zurecht.

Auf einer Fete, musste ich, nachdem das Bier ausgegangen war, als Mutprobe aufgestylt einen Conti (10er Karton Bier) aus der Tankstelle holen. Die Frau von Andy war nur am staunen wie ich in den 14cm Absätzen überhaupt laufen konnte und war am lachen als sie die Reaktion des Tankwarts bemerkte.

Wahrscheinlich dachte dieser, ihn hätte ein Alien besucht.

Jaja, irgendwo hatte ich schon beschrieben das mein Kleidungsstil zu den Anfängen sehr übertrieben war.

Ich bildete mir ein, je fraulicher die Kleidung, desto weiblicher wirke ich.

 

Mittlerweile war ich 25 und bekam das Erbe meiner vor Jahren verstorbenen Adoptivoma ausgezahlt.

 

Was meint ihr was 2 Frauen als erstes machen wenn sie Geld in der Hand halten ?

Richtig, SHOPPEN !!!

In einem Schmuddel-Heftchen über Transsexuelle las ich von einem Laden in Hamm der alles im Sortiment hatte was Frau so brauchen kann.

Angefangen bei Kleidern, über Schuhe, Unterwäsche, Schnürkorsetts, Lack, Leder, Latex, Perücken, Make-Up, Spielzeug bis zu Silikoneinlagen für den BH war alles da.

Ich glaube der Betrag den wir ausgaben war im vierstelligen Bereich, es war sauteuer.

In einen normalen Laden, so richtig in die Damenumkleide, traute ich mich noch nicht.

 

Als nächstes legten wir uns ein neues Auto zu, diesmal einen gebrauchten 5-türigen Opel Kadett GSi 16V mit 150 PS.

Was soll ich sagen, bisher sind wir mit unserem Einkommen so gerade klar gekommen, jetzt war es toll sich alles leisten zu können.

Rückblickend wäre es besser gewesen wenn unsere Oma festgelegt hätte das Geld erst mit 30 auszahlen zu lassen.

Ich war eindeutig nicht reif genug, aber der Hammer kommt erst noch...

 

Mit unserer Band ging es vorwärts, wir schrieben eigene Songs, probten regelmäßig und hatten sogar schon einen Radioauftritt.

Alle glaubten an den Erfolg und ich investierte.

Auf meiner LKW Tour verkaufte ein Tontechniker sein Equip, alles extrem gute Ware und zu einem fairen Preis.

Ich erwarb eine fast komplette Tonstudioausstattung und war anschließend über 20000.-DM ärmer.

(24/8/24 Mischpullt von Mackie, Eventide Harmonizer, Lexikon Effektgerät, Fostex Dat-Player, Sennheiser Mikrofone, Tannoy Studiomonitore, High-End Hifi-Boxen, Unmengen an Kabeln und sonstigem Equip)

In einem Laden für Musiker kaufte ich einen 16-Spur Harddisc-Rekorder für 10000.- DM und finanzierte Andy ein Kurzweil Keyboard.

Schlussendlich durfte ein PC nicht fehlen, das waren nochmal 7000.-DM + 1000.-DM für die entsprechende Musiksoftware.

(Nur zur besseren Vorstellung der damaligen "Höllenmaschine": Pentium 166MMX, 16 MB Arbeitsspeicher, ATI Grafikkarte mit Vodoo Beschleunigungskarte, SCSI-Controler mit 2x 2GB SCSI-Festplatte, Soundblaster AWE 64 gold Soundkarte, 4x CD-Brenner, ASUS Mainboard und 17" Samsung SyncMaster GLi Monitor - 1997 der Traum eines jeden Freaks, heute kann jeder Kinder-Lerncomputer mehr).

 

Da unser Keller zu beengt und die Musik für die Nachbarn zu laut war, zogen wir und Andis Familie nach Bippen, ein kleines Dorf 50km von Osnabrück entfernt und mieteten dort ein gerade fertiggestelltes Zweifamilien-Haus.

Dort ging der Wahnsinn weiter...

 

weiter mit Pech und Glück