Eine schrecklich nette Familie

 

Ich beschloss einen Schlussstrich zu ziehen, versuchte erneut ein ganz normales Leben als Mann zu leben.

Claudia war mir zu wichtig, ich wollte sie auf keinen Fall verlieren.

Das Leben musste weiter gehen.

 

Mittlerweile stand der 10-jährige Hochzeitstag vor der Tür und wir entschieden uns das erste Mal einen richtigen Urlaub zu machen.

Klar haben wir auch in der Vergangenheit mal Ausflüge innerhalb Deutschlands oder einen Kurztrip nach Holland veranstaltet, aber diesmal sollte es etwas besonderes sein.

 

Genau 5 Tage nach dem 11. September 2001 (gerne mal das Datum googeln ), startete nach unendlichen Warteschlangen unser Flug nach Ägypten.

Wenn schon die Polizeipräsenz am Frankfurter Flughafen erdrückend war, wurden wir am Zielort regelrecht von Militär erschlagen.

 

Es war unser erster großer Urlaub und die 2 Wochen in Hurghada waren unvergesslich.

Die fremde Kultur, das Meer mit seinen Korallenriffs, die Wüste...

 

Nach dem Urlaub begann die Zeit, in der wir unsere Gürtel wieder enger schnallen mussten, das Erbe war so gut wie verjubelt.

Im Nachhinein hätte ich vieles anders gemacht, andererseits war es eine unglaublich tolle Zeit in der wir viel erlebt haben.

Passiert ist passiert, es lässt sich sowieso nicht rückgängig machen.

 

Andy und seine Familie waren mittlerweile über 2 Jahre ausgezogen, mit der neuen Nachbarin hatten wir nur wenig Kontakt.

Bippen war ein toter Ort und aufgrund der langen Wege waren wir viel zuhause.

Ohne Moos nicht viel los...

Wir entdeckten die Welt des Chattens.

Es wurde regelrecht zur Sucht sich vor den Computer zu setzen und neue Menschen aus allen Regionen Deutschlands kennenzulernen.

In unserem Lieblingsportal "Chat D" schrieben wir abend für abend mit allen möglichen Leuten ohne zu wissen wen wir da vor uns haben.

Firefox, Funki, Snake, Frog, Peggy und El wurden Onlinefreunde von uns, wir waren wie eine große Familie.

 

DEU Fürstenau COA

 

Nachdem wir uns näher kennenlernten und die Adressen austauschten waren wir sehr überrascht, dass Firefox, Snake, Funki und Frog gerade einmal 12km entfernt wohnten.

Wir unternahmen einige Male etwas zusammen und fackelten nicht lange als bei Firefox im Haus eine Wohnung frei wurde, Fürstenau befand sich näher an meiner Arbeitsstelle, Bippen war sowieso "tote Hose" und endlich wieder in einem Haus, in dem klasse Nachbarn wohnen, was will man mehr ?

Kevin ging jetzt zur Orientierungsstufe, genau auf die Schule, die er sowieso hätte besuchen müssen, da es diese am alten Wohnort nicht gab.

In der Freizeit hingen wir viel mit den Nachbarn ab, feierten Feten oder bastelten an Computern, welches unser gemeinsames Hobby war.

Mein zweites ich unterdrückte ich so gut wie es ging, zog mich relativ selten mal um.

 

Jobmäßig tat sich bei uns Beiden was, Claudia fand eine Stelle als Verkäuferin im nahe gelegenen Edeka und ich bekam die Chance eine Zweigstelle eines Computerladens in Bramsche zu übernehmen.

Es war echt klasse nach über 11 Jahren vom LKW runter zu sein, deshalb war ich um so enttäuschter, dass mein neuer Chef mich, trotz hervorragender Arbeit und sehr gutem Umsatz, aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in seiner eigenen Zweigstelle, nach einem Jahr nicht mehr bezahlen konnte.

 

im IT-Sektor war kein Anschluss zu finden und ich begann wieder LKW zu fahren, in der alten Spedition aber bei einem anderen Unternehmer (mein alter Chef hatte zu der Zeit keinen LKW frei).

Mein Engel wechselte ebenfalls den Job und fing bei Schlecker an.

 

Obwohl Fürstenau an sich spitze war und wir tolle Freunde hatten, entschieden wir uns 2004, nach dem Ende der 2-jährigen Orientierungsstufe, aus Kostengründen näher Richtung Osnabrück zu ziehen. 

Wir fanden eine tolle Wohnung in einem 2 Familienhaus im Stadtkern von Lotte, nur 7 km von meinem Arbeitgeber entfernt.

Claudia wurde von dem nur 100m entfernten Schlecker übernommen.

Ab da ging es uns wieder besser, vorher jeden Tag 80 km mit dem Auto ging doch ganz schön ins Geld.

Schön war auch, dass wir unsere Mütter und Claudias Schwester wieder öfter sahen.

Von unseren alten Osnabrücker Freunden waren nur noch ein paar wenige aufzufinden, wir hatten uns einfach aus den Augen verloren.

 

Was war denn noch 2004 ?

Ach ja, lebe deinen Traum